Fragen eines Hundeneulings

Es gibt vieles, das man in der Hundeschule lernt und überall nachlesen kann. Ähm…und DANN hatte ich da auch diese teilweise komischen Fragen. Wer kennt´s?

 

Lasse ich das Halsband beim Alleinebleiben am Hund?

Stets habe ich vor Verlassen des Hauses das Halsband abgenommen, aus Sorge, dass Hanni sich damit- auf welche Weise auch immer- strangulieren könnte. Hm. Da sie bisher in der Wohnung noch nirgends hängen geblieben ist, gehe ich mal davon aus, dass das so bleibt. Letztens habe ich mir Gedanken gemacht, was beispielsweise im Falle einer Wohnungsöffnung aufgrund eines Brandes wäre (ja, ich weiß. Auch etwas sonderbar…). Mein Hund würde in Panik davonlaufen, hätte keine Kontaktdaten mit und könnte auch schwerer eingefangen werden. Nun bleibt es dran.

 

Kann ein Welpe ein gefressenes Wattestäbchen überleben?

Ja, zumindest ein Welpe in Labrador-Mischlings-Größe. Für Sie getestet. Ich habe abgewaschenes Sauerkraut nachgegeben, das abgeknickte Stäbchen hat sich nicht verhakt, sondern kam umwickelt wieder raus.

 

Was ist, wenn ein 5 Monate alter Junghund zwei bis drei gegrillte Ripperlknochen in einem Rutsch runterschluckt?

In unserem Fall wurden diese einfach verdaut. Natürlich sollte sowas vermieden werden, vor allem das darauf Rumkauen, da die Knochen splittern könnten. Doch per se war es, bei uns zumindest, kein Problem. (Sollte was steckenbleiben und Atmung blockieren: Atemwege freimachen.)

 

Stirbt mein Hund binnen der nächsten Tage am Aujeszky Virus, wenn er dem Gastgeber ein Stück rohes Schweine-Grillfleisch klaut und runterschlingt?

Hanni zumindest nicht. Meine Recherche hat ergeben, dass Österreichs Hausschweine amtlich anerkannt frei von diesem Virus sind. Blöder ist es scheinbar, wenn der Hund Kontakt zu einem infizierten Wildschwein hat. Ich persönlich schätze das Risiko bezüglich einem Schweinesteak als gering ein. Herausfordern möchte ich es dennoch nicht. Durchgegartes Schweinefleisch ist ungefährlich.

 

Stirbt mein Hund, wenn er Krümel eines mit Birkenzucker gesüßten Kuchen aufschleckt?

Als tödliche Dosis gilt für einen Hund laut vetzentrum etwa 3-4 Gramm Xylitol pro Kilogramm Körpergewicht. Also bei Krümeln eher nicht. Laut Rezept-Recherche sind in einem Kuchen bis zu 200g Birkenzucker. Vorsicht ist meiner Meinung nach schwer angebracht.

 

Wächst Pfotenballen nach?

Hanni hat sich als Junghund scheinbar irgendwie ein Stück davon entfernt, es war eine deutliche Abstufung zum Rest des Ballens zu erkennen. Sie wollte nicht mehr richtig auftreten, dürfte aber keine allzu großen Schmerzen gehabt haben. Nach Google Suche habe ich erfahren, dass man Octenisept und Bepanthen auch für Hunde verwenden kann und habe mittels YouTube Videos erlernt, wie man einen Pfotenverband richtig anlegt. Fan war sie keiner davon. Doch JA, bereits in der ersten Nacht wuchs deutlich Ballen nach und die Pfote heilte nach zweimaligem nächtlichen Pfotenverbinden binnen weniger Tage ab. Bitte jedoch allgemein selber einschätzen und im Zweifel zum Tierarzt.

 

Wieso klappt bei anderen alles besser?

Als Hanni phasenweise wie besessen an der Leine zog, war ich verzweifelt. Und eifersüchtig auf all jene, die gemütlich mit ihren Hunden spazieren gehen konnten. Ich habe plötzlich auch nur mehr solch brave Exemplare gesehen und mich völlig unzulänglich gefühlt. Das muss jedoch nicht heißen, dass sich beobachtete Hunde allzeit so perfekt verhalten. Auch Hanni wurde schon von vielen gelobt. Womöglich wurden wir auch beneidet. Von jenen, die nicht sahen, wie sie um die Ecke wieder plötzlich angaste, weil da etwas dringend inspiziert werden musste. Obige Annahme ziehe ich also in Zweifel.

 

Soll ich den Hund wirklich den ganzen Tag in der Box “wegsperren”?

Als ich nach etwa drei Wochen endlich den Käfig geliefert bekam, habe ich mit mir gehadert. Meine allzeit bereite, wilde Welpin wollte da zwar gerne rein, doch manchmal hat sie ordentlich protestiert und gewütet. Da ich erkennen konnte, wie gut ihr die Ruhe tut, habe ich das laut Boxentraining (Claudia Hußmann) durchgezogen. Auch nachts- was super funktioniert hat. Also nein: Kurze Gassirunden, Spielen, Kuscheln etc. sollen trotzdem sein, doch es ist an und für sich wünschenswert, wenn der Welpe 20-22 Stunden schläft.

 

Schläft der Welpe wirklich 20-22- und der erwachsene Hund 18-20 Stunden pro Tag?

Wenn er die Chance bekommt, denke ich prinzipiell: ja. Hanni liegt allerdings öfter mal (etwa 0 bis 2 Stunden pro Tag) an der Glastüre oder im Garten und beobachtet Passanten, Katzen etc., ist dabei aber völlig entspannt. Sowas gehört laut Trainerin auch zur Ruhezeit. Sie bekommt etwa 2-3 Stunden Beschäftigung, Spaziergang, Nasenarbeit etc. (bei Ausflügen, Besuchen u.ä. natürlich mehr). Den Rest des Tages döst und schläft sie, beobachtet oder kuschelt mit uns.

 

Lasse ich meinen Hund beim Alleinbleiben in der Box? (Zwecks Trinken und Spielen.)

Ich wollte ihren Radius beschränken, doch nicht zu sehr einschränken. Besonders wenn es mal 3 Stunden wurden, war mir die Vorstellung zuwider, dass sie nicht mal was trinken kann. (An am Käfig befestigte Näpfe kam ich als Österreicherin damals leider nicht mal per Versand ran). Nach gescheitertem Versuch mit einem Welpenauslauf im Wohnzimmer, stiegen wir einfach auf den welpensicheren Vorraum um. So sah sie, dass wir die Wohnung verließen und es klappte viel besser. Grundsätzlich denke ich, dass auch Box oder Welpenauslauf möglich sind.

 

Zerstöre ich Bindung, Beziehung, Erziehung FÜR IMMER, wenn ich in einigen Situationen mal falsch reagiere?

Ich glaube nicht. Zumindest Hanni hat viele Fehler verziehen. Gewisses “Fehl”verhalten brauchte länger, bis zur Löschung, doch da hieß es einfach dranbleiben. Auch heute reagiere ich in Situationen zeitweise nicht nach Lehrplan, doch auch wir Menschen haben Stimmungsschwankungen, schlechte Tage etc. Ihr dann auftretendes “Fehl”verhalten überschreibt deswegen ja nicht für immer und ewig bereits Erlerntes. Bei Hanni zumindest nicht. Doch mal sehen, ob sich das noch ändert.

 

“Der Hund macht keine Fehler”, also liegt alles an mir?

Grundsätzlich bin ich auch dieser Meinung. Doch bei der positiven Hundeerziehung empfand ich in sozialen Netzwerken den Tonfall gegenüber- und zwischen HalterInnen zeitweise etwas rau und anklagend. Bei mir hat das zu Stress- und Gefühlen von Inkompetenz geführt, was sich wiederum auf das Miteinander mit dem Hund auswirkte. Meiner Meinung nach ist und war Hanni zeitweise aus verschiedensten Gründen (Hormone, Übererregung, Schlafmangel…) manchmal einfach grad überfordert. Ohne Fehler von irgendeiner Seite. Mit mir selbst habe ich nun eine Vereinbarung: Ich kann nicht alles kontrollieren, gebe aber mein Möglichstes.

 

Wie gehe ich mit Leuten um, die meine Hunderegeln nicht akzeptieren?

Leinenkontakte? Füttern vom Tisch? Jagdtrieb-Anregung durch unkontrolliertes Ballspiel? Stöckchenwerfen? Dürfen alle machen, wie sie wollen. Mit meinem Hund jedoch nicht. Und ja: man gilt dann öfter mal als hysterische Buh-Frau! Doch: ein Hund, der DAUERHAFT entspannt an anderen vorbeigeht, beim Essen gemütlich unter dem Tisch schläft, den Ball nur nach Aufforderung holt und sich nicht mit einem Holzstecken verletzt, ist mir lieber, als den KURZEN Diskussionsmomenten aus dem Weg zu gehen. Mit der Zeit wird die eigene Haltung auch klarer und unmissverständlicher. Ich habe schon eher noch das Bedürfnis, mich allen zu erklären, halte mich aber meist zurück. Einige halten mich ohnehin für doof. Dürfen sie.

 

Und wenn es doch mal zu Leinenkontakten kommt?

Kommt bei uns immer mal wieder vor. Anfangs hat mich das im Training gefühlt weit zurückgeworfen, doch mit der Zeit wurde es besser. Wenn klares Bitten, Dazwischenstellen, Weitergehen etc. wieder mal nicht hilft (unglaublich, wie schnell sich einige Hunde oder Halter-Hund Gespanne anpirschen), bleibe ich nun gelassener. Viele Hundebegegnungen klappen super, der Rest wird schon noch. Hanni zumindest wurde deswegen nicht automatisch zum Leinenrüpel. Mal sehen, ob sie mit ihren derzeit 1,5 Jahren noch zu einem wird.

 

Alle finden meinen Welpen süß und streicheln ihn, obwohl er grad an der Leine zieht oder hochspringt. Wird er jetzt für immer zu Fremden hinrennen?

Möglich? Bei Hanni war das jedoch nicht so. Öfters konnte ich meine Wünsche bezüglich passendem Umgang kund tun, was respektiert wurde, und die vielen, vielen Male, die nicht nach meinem Wunsch abliefen, haben keine dauerhaften Schäden angerichtet. Wo möglich, habe ich die Aufmerksamkeit auf mich gelenkt und geübt. An Fremden geht sie normalerweise ohne Interesse vorbei.

 

Wenn Leute meinem Hund Fressen zustecken, bedrängt er dann automatisch ALLE für immer?

Nicht unbedingt, wie ich meine. Futtergabe versuchte ich auf Familie und nur wenige bekannte Menschen zu reduzieren, denen es unglaublich wichtig war, meinem Hund was zustecken zu dürfen. Ansonsten habe ich erklärt, wieso ich das nicht möchte. Bei Hanni gibt es keine Probleme, obwohl sich nicht alle an meine Regel hielten. Sie bettelt auch nicht bei anderen Hundehaltern. Dabei hat mir die Hundeschul-Regel geholfen: “Jeder füttert nur den eigenen Hund!”.

 

Muss ich meinem Hund die Zähne putzen?

Ich glaube nicht. Geübt habe ich es mit Hanni dennoch. Ich will ihr ins Maul fassen- und Zahnbelag mit dem Zeigefinger entfernen können. Das und diverse Kauartikel sind auch die von uns bevorzugten Zahnpflege Möglichkeiten. Hannis Zähne sind noch schön- mal sehen, ob das so bleibt.

 

Brauche ich einen Gartenzaun mit Betonfundament, damit mein Hund nicht abhauen kann?

Meine Vorstellung war, dass ein Hund lieber draußen statt im Garten sein möchte. Ich ging also davon aus, dass Hanni graben wird, um in die Freiheit zu gelangen. Von Hund zu Hund wahrscheinlich unterschiedlich, aber ich denke nicht, dass es per se notwendig ist. Hanni buddelte stets nur bis zum Katzenkaka, nicht aber um flüchten zu können. Meine Antwort also: Nein, nicht zwingend.

 

Schlittenfahren/Popowetzen beim Hund: Muss mein Hund zum Arzt?

Möglich? Hanni hat dieses Verhalten jedoch bereits ein paar Mal gezeigt, obwohl ihre Kotuntersuchungen und Analdrüsen okay waren. Hat halt mal gejuckt. Wenn es mehrmals hintereinander passiert, würde ich jedoch auch zum Tierarzt mit ihr.

 

Ist es normal, dass ein männlicher Welpe mehrmals täglich seinen Penis “ausfährt”?

Keine Ahnung. Laut einigen Internetforen machen das männliche Welpen recht häufig. Einige bringen dies mit Pubertät, andere mit Stress in Verbindung. Wenn dies gefühlt zu häufig passiert, würde ich Tierarzt und/oder gute(n) TrainerIn zu Rate ziehen.

 

Häufiges Wasserlassen und große Urinmengen bei einem gebarften Welpen: ist das normal?

Die Sorge ging bei einem bekannten Welpen in Richtung Nierenleiden. Unsere laienhafte Erklärung war, dass Fleisch 80% Wasseranteil hat, Trockenfutter nur etwa 20% und dass auf diesem Weg der Körper per se schon mal mehr Wasser aufgenommen wird. Die Tierärztin sah keine Veranlassung zur Sorge.

 

Warum schließt mein Hund die Augen beim Küssen nicht?

…damit er dich besser sehen kann! 😉

 

Welche Fragen sind bei euch aufgetaucht? Hat jemand fachlich fundiertere Antworten auf Obige? Freue mich über Austausch!

 




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