Leben mit einem Spitz

Der Deutsche Spitz ist eine der ältesten Hunderassen und hat zwei großen Problemen. Er hat – ganz unbegründet – ein schlechtes Image und er wurde schlicht und einfach vergessen! Aber warum ist das so?

Eigentlich sollte man ja denken, dass so ein fluffiges, felliges, knopfaugiges Tier total beliebt – besonders unter den Frauen – sein sollte. Aber leider ist dem nicht so.

Der Spitz – ein hinterlistiger Vierbeiner?

Zum einen liegt es – wie schon erwähnt – am schlechten Image des Spitzes. Sie werden oft als falsch, hinterlistig und verkläfft verklärt. Dieses Aussagen höre ich besonders oft von älteren Menschen. Früher hatten sehr viele Menschen einen Spitz. Spitze sind nämlich eigentlich Wachhunde. Man konnte sie einfach auf dem Grundstück oder Hof halten und sie haben darauf aufgepasst. Aber nicht nur das, sie haben auch auf die Familie aufgepasst. Da sie keinen Jagdtrieb und einen starken Sinn für Familie haben, konnten Spitze ohne Probleme auf dem Grundstück gehalten werden. Ihre Funktion als Wachhund war das Beschützen von Hof/ Grundstück/ Haus und Familie. Genau das machte der Spitz früher auch. Er meldete Fremde/ Eindringlinge und kämpfte zur Not auch gegen diese, in dem er ihnen beispielsweise in die Waden biss. Da überlegt man es sich wirklich zweimal, ob man in so ein Haus einbricht.

Genau dieses Verhalten (bellen und verteidigen) wurde vom Spitz gefordert, belohnt und gefördert. Über viele Jahrhunderte hat der Spitz so im Einklang mit dem Menschen gelebt. Doch als die Städte immer dichter besiedelt wurden, die Menschen sich nach mehr Ruhe sehnten und Wachhunde durch Familienhunde ersetzt wurden, kam der Spitz in Vergessenheit.

Bellender Chewie

 

“Ist das ein Mischling?”

Damit sind wir auch schon beim zweiten Problem dieser wundervollen Rasse. Zugegebenermaßen, wenn ich das Wort Familienhund höre, denke ich auch nicht sofort an einen Spitz. Da denkt man eher an Golden Retriever oder Labradore. Während früher sehr viele Menschen einen Spitz hatten, ist es heutzutage so, dass kaum noch jemand einen Spitz auf Anhieb erkennt. Oftmals erkennt nur noch die ältere Generation einen Spitz. Die meisten freuen sich sogar darüber einen Spitz zu sehen. Viele erzählen dann Geschichten über ihren eigenen Spitz oder den Spitz von Bekannten/ Verwandten. Einige aber fragen mich, ob Chewie nicht falsch wäre, uns in die Beine beißen würde oder dauernd bellen würde? Komischerweise streicheln genau diese Personen dabei Chewie und genießen es, wie er sich schmusen lässt. Ich verneine dann immer die Fragen, zeige auf Chewie und merke an, dass er doch ein ganz toller Spitz wäre, der auch in dieser Situation total cool bleibt und den Menschenkontakt mag. Daraufhin bekomme ich oft eine positive und überraschte Antwort zurück.

Jedoch laufen die meisten Gespräche auf Spaziergängen und Turnieren so, dass ich gefragt werde, was Chewie ist. Oft wird auch vermutet. So wurde Chewie schon als Chihuahua oder Mischling erkannt. Als Chewie noch ein Welpe war, wurde ich tatsächlich sogar gefragt, ob ich gerade mit meiner Katze Gassi gehen würde. Wenn man dann seinem Gegenüber sagt, dass Chewie ein Spitz ist, strahlen weiterhin die Fragezeichen aus den Gesichtern. Also gibt es eine kleine Gratis-Geschichtsstunde, in der ich erkläre, was der Spitz ist, wie lange es ihn gibt, was ihn ausmacht und wie wir dazu gekommen sind uns gerade einen Spitz zu holen. Es ist schon erschreckend, wie wenig Menschen den Spitz noch kennen bzw. überhaupt mal über die Rasse gehört haben.

Chewie auf der Bank

 

Der moderne Spitz

Heutzutage wird Spitz nur noch selten als Wachhund für Haus und Hof gehalten. Eher ist er ein Familienhund, ein Freund, ein kleiner Clown. Auch ist der Spitz ein sehr intelligenter Hund. Er lernt schnell und gerne. So kann man ihm schon im Welpenalter beibringen, nicht alles anzubellen, was lebt. Durch seine Menschenbezogenheit liebt der Spitz die Arbeit mit seinen Besitzern. Das kann man besonders gut schon im Welpenalter aufbauen, indem man kleine Spiel- und Trainingseinheiten im Alltag einbaut. Ein bisschen zergeln, Ball werfen oder mit dem Futterbeutel fangen spielen. Dazu dann noch ein paar Sitz-/ Platzübungen, Rückruf oder Leinenführigkeit und schon hat man etwas für die Bindung zwischen sich und seinem Spitz gemacht. Wenn man daraufhin noch etwas konsequent in der Spitzerziehung ist und nicht alles durchgehen lässt, hat man ein einfaches Erfolgsrezept für einen wohlerzogenen Spitz.

Leider ist es aber beim Mittel- und Großspitz schon so weit gekommen, dass er auf der Liste der gefährdeten Haustierrassen steht. Der Mittelspitz ist dabei in der Kategorie II – stark gefährdet zu finden, der Großspitz sogar in der Kateogrie I – extrem gefährdet. Weitere Infos dazu findet ihr hier: http://www.g-e-h.de/rassebeschreibungen/46-hunde/87-gross-und-mittelspitz

Mit Chewie war ich von Anfang an in der Welpenstunde. Dort habe ich ihn mit den kleinen, sowie den großen Hunden spielen lassen. Auch wenn die größeren Welpen sehr tollpatschig durch die Gegend gehoppst sind, hatte ich nie Angst um Chewie. Sobald ihm ein großer Hund/ Welpe zu viel wurde, kam er zu mir und ich schützte ihn vor den “wilden Hunden”. So lernte er 1A den Umgang mit großen Hunden. Zudem nahmen wir ihn überall mit. Er lernte dadurch verschiedene Situationen und Menschen kennen. Deswegen ist Chewie recht entspannt in so gut wie jeder Lage. Durch den Hundesport ist der Hundemann bestens ausgelastet und kommt Zuhause gar nicht mehr großartig auf die Idee “Blödsinn” zu machen. Er ist Zuhause sehr ruhig, schläft, beschäftigt sich mit Spielzeug/ Kauknochen oder seinem heißgeliebten Bär. Eins muss ich aber zugeben: Der Dickkopf ist anstrengend! Wenn sich Spitz etwas in den Kopf gesetzt hat, kann man ihn nur schwer (oder auch gar nicht) vom Gegenteil überzeugen 😉 Da muss man seinen Hund gut kennen um zu wissen, wie man ihn auf seine Seite bekommt!

Chewie im Garten

(C) Foto von Nadine Poske

 

Imagekampagne für den Spitz?

Leider geben sich nicht alle Spitzbesitzer so viel Mühe. Ich habe schon einige andere Spitzbesitzer kennengelernt bzw. gesehen, deren Spitz permanent am Bellen ist. Auch liest man oft auf Facebook oder in Foren, dass Besitzer verzweifelt nach einer Lösung für ihren aufgedrehten und bellenden Spitz suchen. Genau diese Spitze bleiben den meisten Leute in Erinnerung. Es gibt auch viele toll erzogene Spitze. Zudem gibt es ein paar sehr erfolgreiche Spitze im Hundesport. Gerade diese Besitzer sollte man sich als Spitzbesitzer zum Vorbild machen. Den meisten fällt es aber schwer den Kopfaugen und dem süßen Aussehen zu widerstehen. Das nutzen Spitze natürlich sofort aus. Sie wissen nämlich ganz genau, wie sie ihr knuffiges Aussehen erfolgreich einsetzen können.

Braucht der Spitz meiner Meinung eine Imagekampagne? Wenn es um seinen Charakter und seiner Bekanntheit geht – sicherlich! Die beste Imagekampagne sind dabei vernünftige und engagierte Spitzbesitzer, die der Welt zeigen, was alles in so einem Spitz steckt. Es kommt auch gar nicht darauf an, ob es sich um einen Kleinspitz, Zwergspitz, Mittelspitz, Großspitz, Wolfsspitz oder Japanspitz handelt. Jede dieser Varietäten ist super und hat es verdient ein positives Image zu erhalten. Jedoch kommen mit größerer Bekannt- und Beliebtheit auch einige Nachteile. Ein Nachteil ist der Verlust der Gesundheit. Viele beliebte Hunderassen haben das Problem, dass sie überzüchtet sind. Sie haben viele Krankheiten in den Genen, die nur schwer rausgezüchtet werden können. Der Deutsche Spitz ist eine noch sehr gesunde Rasse. Das liegt unter anderem aber daran, dass er nicht so bekannt ist. Aus der gesundheitlichen Sicht würde ich sogar eher dazu tendieren, dass der Spitz nur eine kleine Imagekampagne – wenn überhaupt! – vertragen könnte. Ich möchte nämlich nicht, dass diese wundervolle Rasse krank wird.

Wenn ihr noch weitere Spitz-Geschichten lesen möchtet, dann schaut doch einfach bei Chrissy und Neli vorbei. Chrissy berichtet ebenfalls von ihrem Leben mit Spitz 😉

Nun würde ich noch gerne wissen, ob ihr den Deutschen Spitz kanntet bzw. kennt? Wie sieht es denn mit euren Hunden aus? Werden die Rassen eurer Hunde erkannt oder dürft ihr ebenfalls darüber aufklären?




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3 Comments
  1. Hayley & Darida 2 Wochen ago

    Hallo ihr Lieben,

    Der Spitz – besonders der Zwergspitz – war bei mir als Ersthund auch ganz vorne mit im Rennen. Mir gefällt sein Äußeres und auch die Wesensbeschreibung. Letztendlich hat der Cavalier King Charles Spaniel das Rennen gemacht – meine Traumrasse seit Kindheitstagen. Trotzdem: würde jemals eine andere Rasse bei uns einziehen wäre es entweder ein Sheltie oder ein Spitz. Danke für deinen Beitrag 🙂

    Liebe Grüße,
    Doxa mit Hayley & Darida

  2. Julia 1 Woche ago

    Hallo!
    Als bei uns feststand das ein zweiter Hund einzieht, haben es drei Rassen in die engere Auswahl geschafft. Berner Sennenhund, Elo und Großspitz. Im Endeffekt haben wir uns für den Elo entschieden, weil ich überlege Therapiehundeausbildung mit ihr zu machen. Das Einzige was wirklich stark gegen den Großspitz sprach, war, dass ich gerne eine Hündin hätte, aber keine Welpen. Und eine Hündin einer so gefährdeten Rasse nicht decken zu lassen, wäre auch schade.
    Bei uns hab ich bisher auch nur sog. Pomeranians gesehen. Die werden dafür immer zahlreicher und verkörpern das Klischee des unerzogenen Kläffers und werden meist als Handtaschenhund gehalten.
    Vielleicht wirds ja doch irgendwann noch ein Großspitz oder zumindest ein Wolfspitz 😉
    Liebe Grüße,
    Julia und Odin

  3. Gaby Hahne 1 Woche ago

    Liebe Alle,
    Ich habe seit 12,5 Jahren eine Kleinspitzhündin in schwarz, die sogar auf der Grenze zum Zwergspitz ist, weil sie sehr klein geblieben ist. Ich habe sei, seit sie 8 Wochen alt ist, sie ist immer bei mir und ich kann alles vorgenannte nur bestätigen. Sie ist unendlich treu und obwohl sie so klein ist, eine unermüdliche Läuferin. Ich selbst bin begeisterte Nordic Walkerin und meine kleine Biene hält immer mit, unglaublich, selbst in den Bergen ist sie dabei. Leider ist sie seit einiger Zeit an Krebs erkrankt, noch gibt sie nicht auf und begleitet mich jeden Tag ins Büro. Beim Laufen muss sie jetzt Zuhause bleiben, weil es zu anstrengend ist und ich sie schonen will. Aber egal, wei lange wir noch zusammen sind, mein Bienchen bleibt immer unvergessen, und es wird einen neuen kleinen Spitz geben.

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