Der bessere Riecher- Ein Hund sieht die Welt durch die Nase

Schnüffelnder Hund
„Der Hund ist der sechste Sinn des Menschen.“ (Hebbel, Christian Friedrich)

Wir kennen es fast alle, ein leichter Wind geht, der Hund dreht langsam seinen Kopf, neigt die Nase leicht nach oben, hält sie genau in den Wind und fängt an zu schnuppern, die Nasenflügel bewegen sich, der Kopf bleibt aber ruhig und der Blick konzentriert. In kurzen Atemstößen, die ein typisches „sssz…zsss“ Geräusch erzeugen(hier könnt ihr das Schnüffelgeräusch hören : https://youtu.be/W5kKRZ_oLP8), saugt der Hund die Luft ein, über die Schleimhaut direkt zu den Riechzellen. Nun fängt die Analyse an. Bei 300x Atemzügen in der Minute sind es viele Informationen.

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Unsere Treuen Begleiter, riechen gut, sie riechen um einiges besser als wir. Es fasziniert mich immer wieder, wie gut die Sinnesleistung der Hunde ist. Wirklich faszinierend finde ich die Nase, bzw. den Geruchssinn eines Hundes.
Hunde sind Nasentiere genannt auch Makrosmatiker.
Was für uns die Augen sind, ist für den Hund die Nase. Wir orientieren uns in der Umwelt, mit dem was wir sehen können, ein Hund orientiert sich nach dem was er riechen kann.
Wir schauen uns Dinge erst an, ein Hund erschnüffelt es, dann kommt eine optische Verbindung zu dem was er gerade erschnüffelt hat.
Viele Hundehalter, sagen häufig „Mein Hund orientiert sich mit den Augen und benutzt seine Nase nicht“. Das stimmt nicht, die Halter merken es nur nicht. Natürlich muss das genaue erschnüffeln, von bestimmten Dingen auf Kommando erst trainiert werden. Aber das ist eine leichtere Übung für den Hund, leichter als Tricksen, Agility Unterordnung oder andere Hundesportarten.
Den was viele nicht wissen, der Geruchssinn ist bei einem Neugeborenen Welpen der am besten entwickelte Sinn, die Milchquelle wird mit der Nase gefunden.

Was ist der Unterschied zwischen dem menschlichen und dem hündischen Geruchssinn?

Wir haben deutlich weniger Riechzellen, ca. 5 Millionen. Ein Hund hat im Durchschnitt 125-220 Million, hier ist entscheidend, was für eine Rasse der Hund ist, ein Dobermann, als großer Hund mit einer langen schmalen Schnauze, liegt bei 220 Million Riechzellen, ein Mops oder eine Bulldogge mit einer sehr kurzen Nase liegt hingegen bei 125 Million Riechzellen.

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Riechzellen und Riechschleimhaut

Die Riechschleimhaut, bei uns Menschen ist sie ca. 5cm² groß, bei einem Hund 150cm², , um sich das mal bildlich vorzustellen, eine Standard Briefmarke 2x3cm (Riechschleimhaut Mensch) und ein A4 Blatt 21x29cm (Riechschleimhaut Hund). (sh. Bilder)

Riechzellen: Vergleich Hund-Mensch

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Noch ein interessanter Unterschied, der Teil des Gehirns, der für die Analyse der Gerüche zuständig ist, macht bei uns Menschen 1% aus, bei dem Hund sind es 10%.

Ein Hund kann seine Nasenöffnung unabhängig voneinander bewegen, dies hilft ihnen die Richtung des Geruchs, aus der er kommt zu bestimmen. Ein Hund kann 300 x pro Minute atmen. Wenn der Hund seine Nase in den erkannten Geruch hebt, unterbricht er den Atmungsprozess, somit kann er das Erschnupperte in eine knöcherne und kammähnliche Struktur in die Nasenhöhle führen.

Hier haben wir ein kleines Video von Django seiner Nase aufgenommen, wenn sie einen Geruch wahrnimmt. https://youtu.be/TVnVGcixjgU

Diese Nasenhöhle dient dazu die Luft einzufangen / einzusperren um zu vermeiden, dass sie beim Ausatmen nicht wieder austritt. Damit bleiben die Geruchsmoleküle in der Nase und der Hund kann viele davon, in der Nasenhöhle speichern bis er sie wahrnehmen kann. Ein Hund kann also räumlich riechen.

Jacobsonsche Organ- was ist das?

Das Jacobsonsche Organ (Vomeronasale) besteht bei Säugetieren aus winzigen Einbuchtungen (Durchmesser zw. 0,2-2mm), es ist ein enger Kanal mit Riechpitheln und 608 Nervenbündel, die direkt mit dem Riechhirn in Verbindung stehen. Bei Krokodile, Vögel, Marinen Säugern und einige Primaten ist es zu finden. Beim Menschen ist dieses Organ nur im Embryonalstadium vorhanden und wird mit der Zeit zurückgebildet. Bei Säugetieren sitzt das Jacobsonsche Organ (J.-O.) unterhalb des Nasenschwammes am Gaumen, zur vorderen Mundhöhle hin hat es eine Öffnung, was z.B. dem Hund ermöglicht, zu riechen in dem er die Substanz aufschleckt und damit direkt an diese Öffnung liefert. Es ist quasi ein zusätzliches Geruchsorgan.

Das darauffolgende Verhalten sollten vor allem Rüdenhaltern bekannt vorkommen: Beim Abschlecken von Urin, der Rüde, erhält bei der Aufnahme und das abliefern an das J.-O. zig Informationen wie, Geschlecht, Alter und mögliche Krankheiten über den anderen Hund. Das J.-O. verstärkt somit nicht den Geruchsinn, in der Weise, wie es sich viele vorstellen, sondern es ergänzt nur die Bandbreite der Informationen, die der Hund aufnimmt. Oftmals kann man nach dem der Hund einen Geruch mit dem J.-O. analysiert hat auch eine körperliche Reaktion erkennen:

  • Bei der Erkenntnis das der Hund (z.B dessen Urin er analysiert hat) Krank ist, reagiert, der Hund häufig eingeschüchtert, senkt die Rute, oder klemmt sie sogar zwischen die Hinterbeine, will nur da Weg und schaut sich um, ob der Kranke Hund noch irgendwo ist.
  • Bei einer läufigen Hündin, reagiert ein Rüde häufig mit Schnattern, sprich er klappert mit den Zähnen und fängt an zu Geifer, er ist dann auch sehr lange noch damit beschäftigt die Gerüche zu inhalieren und zu Analysieren. Im gefällt was er riecht.
  • Bei dominant riechenden Rivalen, stellt der Hund auch gerne mal den Kamm, oder knurrt kurz vor sich hin, der Körper spannt sich an. Es wird meistens drüber markiert.

Was kann ein Hund alles riechen?

“Krankheiten”

Ja, es ist bestätigt, Hunde können bestimmte Krankheiten riechen. So können einen Epileptischen Anfall oder bei Diabetiker eine Über- und Unterzuckerung vorwarnen, aber auch bestimmte Krebsarten erschnuppern. Es wurde erwiesen, das ein Hund, anhand der ausgeatmeten Luft des Menschen, dem Urin- oder Kotproben riechen konnte, dass die Patienten Eierstock-, Lungen-, Blasen-, Darm- oder Brustkrebs haben. Die Trefferquote lag bei über 90%.

“Rauschgift und Sprengstoff”

Oft findet man Hunde am Zoll, an Bahnhöfen oder am Flughafen bei der Gepäckkontrolle. Diese Hunde sind meistens auf Rauschgift und Sprengstoff spezialisiert und ausgebildet worden, diese zu erschnüffeln und den Zollbeamten, seinem Begleiter zu signalisieren, durch bellen oder ablegen, wenn er was gefunden hat. Sie finden ihn auch, wenn diese Gerüche, in mehreren Plastik hüllen oder Fremdgerüche verpackt sind.

“Emotionen”

Wenn wir Angst haben, uns freuen, wenn wir wütend sind oder traurig, dann ist es nichts anderes als ein biochemischer Prozess, dieser setze Stoffe frei. Gerade bei Angst, Wut oder wenn wir aufgeregt sind, wird Adrenalin ausgeschüttet, der Puls steigt und man fängt an zu schwitzen (wir stoßen Pheromone aus). Dadurch setzen wir Duftmoleküle frei, die der Hund riechen und diese Moleküle auch zuordnen kann. Manche Hunde reagieren darauf, manche ignorieren sie und wieder andere übertragen die Emotion auf sich. Deshalb erlebt man häufig auch, dass Hundehalter, die vor bestimmten Dingen Angst haben, der Hund auch häufig Angst vor dieser Sache hat.

“Menschen finden”

Bei Naturkatastrophen, Unfällen, vermissten Menschen, kommt der Rettungshund zum Einsatz, sie sind in der heutigen Zeit fast nicht mehr wegzudenken. Diese Hunde, die dafür ausgebildet werden, finden Menschen in Lawinen, eingestürzten Gebäuden oder nach einem Bergrutsch unter Schlamm und Gestein. Man unterscheidet hier unter Flächensuche, Trümmersuche, Lawinensuche, Wasserrettung, Mantrailing, Leichensuche und Wasserortung.
Der Geruch von Menschen:

  • Der Mensch verliert pro Minute ca. 40.000 Hautzellen Individualgeruch kann nicht (wie Körpergeruch) überdeckt werden
  • Individualgeruch= Hautzellen+ genetische Faktoren + andere Einflüsse
  • Einflüsse auf den Individualgeruch:

– Größe, Form, Verteilung der Schweißdrüsen

– Sitten, Ernährung, Hygiene

– stark abgekühlter oder erhitzter Körper (es entwickelt sich nur ein schwacher Geruch)

– optimale Temperatur für Bakterienwachstum: 41°C plus/minus 4°C

– Luftfeuchtigkeit

– Bekleidung

“Fährte”

Hier geht es darum, die Laufrichtungen zu erschnüffeln, selbst wenn diese spur schon mehre Tage, bis Wochen veraltet ist und sie können dieser Kilometerweit folgen. Gerade Bluthunde, oder Hunde die für die Jagd eingesetzt werden, sind im Fährtenlesen sehr begabt.
Aber es gibt noch vieles mehr.

Kurze Interessante Information:

Die Suchdauer, eines Hundes ist von vielen Faktoren abhängig, Das wichtigste Kriterium sind die Witterungseinflüsse, Temperaturen und Luftfeuchtigkeit. Je nach Wetter kann die Suchdauer zwischen 15-45 min schwanken. Deshalb werden auch immer mehrere Hunde im Wechsel eingesetzt. Nach einer gewissen Strecke und Dauer, brauch der Hund eine angemessene Pause, danach kann man ihn wiedereinsetzten.
Es gibt noch Zig andere Sucharbeiten, bei denen inzwischen ein Hund eingesetzt wird, Schimmel, Käfer etc. pp.

Wie verarbeitet der Hund die Gerüche im Gehirn?

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Wie wir schon oben erfahren haben, ist nicht nur die Nase besser ausgerüstet, wie bei uns, sondern auch das Gehirn, des Hundes besitzt eine bessere Ausrüstung um Gerüche zu Analysieren. Das Riechzentrum im Hirn des Hundes heißt auch olfaktorische Cortex, dieser verarbeitet die Gerüche.
Die Riechrinde macht die Arbeit jedoch nicht alleine. Wie die Riechzellen ist es nur ein Teil der Riechbahn. Diese Bahn funktioniert wie folgt, hier die groben Stationen:

  1. Nasenlöcher
  2. Nasenschleimhaut (Nasenhöhle)
  3. Nasenmuschel
  4. Riechkolben (liegt kurz vor dem Siebbein oder Riechzentrum)
  5. Riechrinde (Riechzentrum)

Bei dem Riechkolben, der unterhalb des Frontalhirns liegt, dient als eine Art Schaltzentrale für die Geruchswahrnehmung. Bei ihm kommen alle Meldungen in Form elektrischer Signale der Riechzellen an, diese enthaltenen Informationen, sie werden verpackt und an die ansprechenden Regionen im Cortex verteilt.

Diese Bereiche werden in primär und sekundär gegliedert. Über den Primären Bereich der Riechrinde wird der Geruch bewusst wahrgenommen, hier wird realisiert, was soeben geschnüffelt wurde. Der sekundäre Bereich stellt eine Art Schnittstelle dar. Dieser Bereich hat Überschneidungen mit dem Geschmacksinn, man vermutet, das Riechen und Schmecken wegen dieser Schnittstelle, so eng miteinander zusammenhängen.

Was können Gerüche bei einem Hund auslösen?

  • angenehme und unangenehme Gerüche
  • werden mit Erinnerungen verknüpft
  • können starke Emotionen auslösen
  • können eine Gewöhnung hervorrufen
  • Hunde können einen bestimmten Geruch unter vielen herausfiltern (Diskrimination)

Was könnte Einfluss auf den Geruchssinn haben?

  • Krankheiten
  • Zahninfektionen
  • Entzündungen der Nasenschleimhaut
  • Feuchtigkeit (Riechzellen können nur Duftstoffe in gelöster Form identifizieren. Nasenschleimhaut dient der Anfeuchtung der Luft, der Nasenspiegel muss immer angefeuchtet sein, damit der Hund Gerüchte gut identifizieren kann.
  • Extreme Gerüche (Benzin, Parfum,), diese Gerüche können den Geruchssinn des Hundes für einige Augenblicke blockieren. (deshalb bitte, legt nur dezent Parfum auf, man sollte nicht drin baden).
  • Warmes Essen, Stoffe, die erst ab bestimmten Temperaturen gasförmig werden

Sollte die Nase eines Hundes gefördert werden?

Definitiv ja! Gerade die Plattnasen sollten, öfter die Gelegenheit bekommen gezielt zu schnüffeln, sonst verkümmert die Nase.

Zudem ist Schnüffeln Kopfarbeit und lastet den Hund aus. Ein Hund muss nicht jeden Tag stundenlang rennen, die Kopfarbeit wird stark unterschätzt, wer gelegentlich Suchspiele oder Dummytraining mit seinem Hund macht, weiß das der Hund danach erstmal Ruhen geht. Man bedenke das die Energie die in die Verarbeitung der Informationen und des riechen gesteckt wird auch anstrengend ist.

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Wir lieben es mit Django seit klein auf Suchspiele zu machen. Anfangs waren es ein paar Goodies, die er suchen durfte oder uns im Wald, dann haben wir ein tolles Buch von einem Freund geschenkt bekommen „Einfach Schnüffeln (https://www.amazon.de/Einfach-schn%C3%BCffeln-Nasenspiele-f%C3%BCr-Hundealltag/dp/3800157977) “ Was ich gerne empfehlen möchte. Hier bekommt man tolle Inspiration was man den alles in welcher Form verstecken kann, für Einsteiger ist noch mal erklärt wie man den Hund trainiert, bestimmte Dinge zu suchen. Inzwischen legen wir kleine Fährten, wenn die Zeit dafür da ist, oder wir verwenden unterschiedliche Dummyarten. Am liebsten ist Django natürlich der Futterdummy. (Django bei der Dummysuche : https://www.facebook.com/DjangoderDobermann/videos/797591630404003/ )
Das Schnüffelbrett, haben ja schon viele in meinem Beitrag zur „Zweckentfremdung“ kennengelernt. (http://community.midoggy.de/zweckentfremdet-das-schnueffelbrett/)

Mein Fazit:

Der Hund hat definitiv eine bessere Nase wie wir, er verfügt über ein besseres Geruchssinns-Equipment. Es ist ein wichtiges Sinnesorgan für den Hund. Er liest so wie wir täglich unsere Zeitung, seine Tageszeitung mit der Nase.

 „Was für den Hund ganz selbstverständlich ist, grenzt für den Menschen fast an Hokuspokus“.
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Eine Nase brauch auch mal Pause




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