Wie ich zum Hundemensch wurde

Es gibt viele Wege ein Hundemensch zu werden. Manchen wird es quasi in die Wiege gelegt und andere haben eigentlich so gar nichts mit Hunden am Hut, bis dann plötzlich einer mit dreckverschmiertem Fell im Bett steht und sich des Lebens freut. Ich gehöre vermutlich zu der Variante von Leuten, denen es mitgegeben wurde. Also zumindest irgendwie.

Schon seit ich denken kann hatten wir immer Hunde. Das ist eben einer der Vorteile, wenn man auf dem Dorf wohnt und die Eltern Haus und Hof besitzen. Die ersten, an die ich mich erinnere, waren unsere Kaukasen. Alex und Wanda. Während Alex ein absoluter Stinkstiefel war und lediglich Mama und Papa in seiner Nähe duldete, war Wanda eine Seele von Hund. Also zumindest zu uns. Gegenüber den Nachbarn war sie weniger freundlich, wenn diese uns Kindern zu nah kamen. Ihr Verhalten konnte man beiden nicht für übel nehmen. Sie kamen aus weniger schönen Verhältnissen und besonders Wanda hat es damals übel getroffen. Hätten meine Eltern sie nicht dort rausgeholt, wäre sie gestorben.
Damit fing eigentlich alles an. Irgendwann waren wir dann mal gerade auf dem Rückweg nach Hause, als meine Halbschwester anrief und meinte Wanda würde im Auslauf liegen und käme nicht mehr hoch. Mir war damals direkt klar, was das bedeutete und ich sollte recht behalten. Nur kurze Zeit später wurde dieser liebenswerte Riesenteddy eingeschläfert, weil sie ansonsten ohnehin innerlich verblutet wäre. Alex ereilte ein ebenfalls weniger schönes Schicksal. Er hatte ein großes Loch an der Seite, welches er immer weiter aufbiss und irgendwann ging es nicht mehr, sodass auch er vom Tierarzt erlöst wurde.
Von da an hatten wir zugegeben ziemlich viele Hunde. Einen Doggen-Dobermann-Mischling dem wir im Winter einen Pulli von mir anzogen, Dackelmischlinge denen der Bart gestutzt werden musste, Schäferhunde in allen Ausführungen, Beagle die die Wand hoch kackten, Terrier die sich gegenseitig umbringen wollten… Nicht nur jeweils einen, sondern von jeder Sorte mehrere. Als Kind ist man damit schnell überfordert und eigentlich hat man ja auch andere Sachen im Kopf, als sich den ganzen Tag nur mit den unzähligen Hunden zu beschäftigen. Da sind ja auch noch Schule und Freunde zum Beispiel. Trotzdem war es damals die Aufgabe von mir und meiner Schwester die Meute zu bespaßen und diese erfüllten wir nicht immer gut. Das Ende vom Lied war, dass die Hunde dann wieder abgegeben wurden. Einen Knack gab es dann, als Papa unseren Schäferhund Rüden Rondo gegen eine andere Hündin eintauschte. Ich glaube, ich war etwa 13 oder 14 Jahre alt. Auch wenn ich nicht jeden Tag mit ihm unterwegs war, was ich aber viel öfter hätte tun müssen, ich habe diesen schlaksigen Kerl geliebt.
Als ich ihn dann im Kofferraum sitzend an mir vorbeifahren sah, als ich gerade morgens auf den Schulbus wartete, brach für mich eine Welt zusammen. Dieses Tier hatte mich so oft begleitet, zu Wanderungen oder ins Dorf und hat alles artig mitgemacht, ohne jemals auch nur ein bisschen zu murren.

Von diesem Moment an schwor ich mir mein Herz nie wieder an einen Hund zu verlieren und das habe ich, mit einer Ausnahme, bis zu meinem Auszug von Zuhause auch nicht mehr getan.

Hätte meine Mutter mir damals nicht unter Tränen noch gesagt, dass er fort sein würde, wenn ich wieder nach Hause komme, dann hätte ich mich nicht einmal von ihm verabschieden können.
Stattdessen stellte ich mir die ganze Zeit vor, wie es sein würde endlich einen eigenen Hund zu haben. Einen, bei dem ich keine Angst haben musste ihn wieder zu verlieren. Ich verschlang die alten Hundebücher meines Vaters, las im Internet und sah mir massenhaft Dokus an. Schon da stand fest, dass ich später definitiv etwas mit diesen treuherzigen Fellnasen machen wollte. Egal was, Hauptsache mit Hund.
Es kam dann der Tag meines Auszugs, ich begann meine Lehre und natürlich dauerte es nicht lange, da zog ein kleines, schwarzes Hundebaby ein, dass ich mir damals zusammen mit Tom gekauft habe. Shira I., die uns für 200€ aus Neustrelitz gebracht wurde. Traum erfüllt. Auch wenn die Anfangszeit mit ihr wirklich anstrengend war und ich so manches Mal dachte „Was hab ich nur getan?“, liebte ich dieses Tier abgöttisch. Sie war klug, gelehrig, treu und sehr gehorsam. Man konnte sich auf sie verlassen und das, obwohl sie gerade mal ein halbes Jahr alt war. Ein halbes Jahr… 6 lächerliche Monate. Dann musste ich sie einschläfern lassen, weil sie sich, bedingt durch eine Knochenschwäche, die Wirbelsäule beim Spielen gebrochen hatte. Eine OP hätte laut Tierarzt nichts mehr gebracht und wie sollte ich auch 2500€ sofort im Ganzen bezahlen bei 560€ Lehrlingsgeld?

Aus der Traum. Am 06.01.2017 verabschiedete ich mich von diesem absolut unglaublichen Hund für immer. Von dieser tollen Hündin, die mich durch die Trauer um meine verstorbene Oma und starke psychische Probleme begleitet hatte.
Keine Ahnung, wie oft ich gesessen und geweint habe, weil sie mir so sehr gefehlt hat. Oder wie oft ich vor ihren Bildern gehockt und an sie gedacht habe. Letztlich konnte Tom sich das Trauerspiel dann nicht mehr mit ansehen und rief bei der Frau an, von der wir schon die erste Shira hatten. Tatsächlich hatte sie noch eine Hündin übrig aus dem letzten Wurf und noch am gleichen Tag hielt ich sie in den Händen. Zu Ehren ihrer großen Schwester nannten wir sie ebenfalls Shira und dieses kleine Monster habe ich nun schon knappe 2 Jahre an meiner Seite. Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin sie bei mir zu haben. Sie war nie ein Ersatz, dafür sind beide zu verschieden aber durch diese, ich sage mal 2. Chance, ist mir erst bewusst geworden, wie wichtig für mich ein Hund im Leben ist und inzwischen bin Hundemensch durch und durch. Oder war es vielleicht doch schon immer, wer weiß.




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