Mineralien, Öle und Zusätze in Hundefutter – Was genau und wieviel?

Ich denke du kennst das auch. Du liest dir einen Artikel/einen Ratgeber durch und glaubst du hast es nun endlich den Überblick über Hundefutter und dessen Bestandteile erlangt. Sofort gehst du voll motiviert in die Küche und schaust auf dein Hundefutter. Beim Lesen der Inhaltsstoffe auf der Packung verstehst du möglicherweise nicht alles, bist vielleicht auch verwirrt und fühlst dich doch wieder so schlau wie vorher. Also setzt du dich wieder hin und recherchierst weiter. Zumindest ging es mir so.

Dabei ist es im Grunde nicht so schwer; wenn nur endlich jemand eine große Übersicht schreiben würde und alles kompakt und übersichtlich erklären würde. Und zwar so, dass es jeder verstehen kann und wenn es doch mal etwas unklar sein sollte, nachfragen kann. Denn die richtige Frage zu einer Antwort zu finden kann oft schon eine Herausforderung für sich sein. Google kann mir leider nie eine gute Antwort liefern, wenn ich „Wieso ist in meinem Hundefutter Mineral X in XY mg drin?“, gefragt habe. Schade eigentlich.

Genau das möchte ich, zumindest in kleinem Rahmen, hier für dich aufschreiben. Vorab kannst du dir die Infografik ansehen, um einen groben Überblick zu haben:

Infografik Mineralien und Öle

Die wichtigsten Mineralien sind also Calcium, Phosphor, Kalium, Natrium und Magnesium.

Calcium (80 mg/kg) und Phosphor (60 mg/kg)

Die Diskussionen um das einzig wahre Calcium-Phosphor-Verhältnis sind vor paar Jahren entflammt und scheinen immer noch kein Ende zu nehmen. Aber es doch so einfach! In der Ernährungswissenschaft wird das Calcium-Phosphor-Verhältnis für den Hund mit 1,3 : 1 definiert. (Calcium sollte immer überwiegen.) Die beiden sind die wichtigsten Mineralstoffe im Hundeorganismus, die Stabilität und die Funktion der Köperstruktur wird durch sie aufrecht gehalten. Ungefähr 98% des Calciums und ca. 80% des Phosphors befinden sich im Skelett. Die beiden und deren Verhältnis sind deshalb so wichtig, weil zu viel Phosphor die Calciumaufnahme hemmt und zu viel Calcium dem Körper Phosphor entzieht. Also eine schwerwiegende Wechselwirkung, wenn das Verhältnis nicht stimmt.

Eierschalen und auch einige Milchprodukte sind reich an Calcium. Phosphor gewinnt der Hund aus Fleisch und Innereien, in geringem Maße auch aus Getreide. Achtung: Es gibt immer mal Hunde, deren Verdauung nicht so funktioniert, wie sie im Idealfall sollte. Bitte also im Zweifel immer zuerst den Tierarzt um Rat fragen!


Kalium (50 mg/kg)

Sehr wichtig für die Muskulatur, Nerven und auch den Wasserhaushalt. Kalium regelt mitunter auch den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel. Kalium kommt in Obst und Gemüse vor, ebenso in einigen Getreidesorten. Zuwenig Kalium kann Lähmungserscheinungen oder einen zu niederen Blutdruck zur Folge haben. Weshalb dieses Mineral wichtig ist, zeigt sich bei einer Überversorgung: Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern, sind unter anderem die Folgen.

Kalium nimmt der Hund mit Obst, Gemüse und Kräutern auf. Zum Beispiel Brokkoli, Petersilie und Banane.


Natrium (50 mg/kg)

Natrium ist ein Elektrolyt und hilft den Säure-Basen-Haushalt zu regeln. Muskelaktivität, Wachstum, Nährstoffaufnahme und Zellaktivität – das alles beeinflusst Natrium. Auch Nerven brauchen für ihre Funktion Natrium. Ein Mangel kann sich durch Erschöpfung, trockene Haut, Fellverlust, Schwierigkeiten im Flüssigkeitshaushalt und eine verschlechterte Eiweißverwertung zeigen. Eine Überdosierung, kommt bei gewissenhafter Fütterung sehr selten vor, kann aber genauso gefährlich sein. Starker Durst, Verstopfung, Juckreiz und Nervenstörungen sind die Folgen einer Natriumüberversorgung. Natrium wird durch Salz aufgenommen; Fisch, Algen, Eier, Blut und auch Getreide beinhalten ebenfalls Natrium. Blut ist dabei mein persönlicher Favorit.


Magnesium (50 mg/kg)

Magnesium ist, wie auch bei uns Menschen, beim Hund wichtig für das Nervensystem und die Muskelfunktion. Bei einem Mangel leidet das Herz-Kreislauf-System. Zittern, Krämpfe, Organ- und Gefäßprobleme sind die Symptome einer Unterversorgung an Magnesium. Zuviel kann Durchfall und (in extremen Fällen) Lähmungserscheinungen verursachen. (Vorsicht: Harnsteine und Nierenschäden können auch von zu viel Magnesium kommen!) Magnesium findet sich in Gemüse und Getreidesorten (Dinkel und Hirse eignen sich auch hervorragend).

Öl in Hundefutter

Öle und Fette

Sie sind in der Ernährung unglaublich wichtig. Gerade wenn ich ein Gespräch von Hundehaltern in einer dieser „Expertenrunden“ auf der hiesigen Hundewiese höre, stellen sich mir die Nackenhaare auf. „Mein Hund bekommt nur das mit Goldstaub versetzte und mit Feenpups veredelte Öl von “irgendein teurer Hundefutter Hersteller“.“

Glaub mir, wenn ich dir sage: “Das ist deinem Hund völlig egal ob da Feenpups oder 15 verschiedene Öle drin sind. Es ist ihm auch egal ob die Flasche am Ende 10€ oder 59,99€ gekostet hat.“

Wenn es um Hundefutter geht, kann es auch mal matschig, saftig und stinkig werden.

Lebertran, Lachsöl und Rinderfett – Oh ja! Da sabbert jeder Hund.

Die Öle sollten kaltgepresst und nicht verunreinigt sein. Mehr wünsche ich mir von einem Öl nicht. Ansonsten ist alles erlaubt, so lange es in Maßen verwendet wird.

Am besten lagert man Lachsöl im Kühlschrank, alles Andere an einem kühlen und dunklen Ort. (Ich rate davon ab große Mengen zu kaufen, auch wenn diese günstiger sind. Öl kann ranzig werden und es wäre sehr schade das tolle Produkt in den Abfluss schütten zu müssen.)

Zu dieser öligen Euphorie sollte ich noch sagen, dass es nicht immer Öl sein muss. Ein ausgewogenes Alleinfutter ist schon ausreichend mit Fetten und Ölen hergestellt und braucht keine weiteren Öle. Eine Barfmahlzeit wiederrum kommt zwar auch ohne aus, sollte aber mit Öl unterstützt werden. Da es oft zu mageres Fleisch für unsere Schnuffel gibt und sie eben ein bisschen mehr „Bums“ brauchen.

Viele Öle lassen auch eine vielfältige Verwendung zu. So kann man sie einerseits dem Hund füttern, andererseits auch im eigenen Essen verwenden. Mit Kokosöl kann man die Pfötchen einreiben um sie vor Streusalz und starker Beanspruchung zu schützen; auch ist es für lange Haare eine tolle Kur. 🙂

Leb‘ dich also aus und teste verschiedene Ölsorten, für dich oder deinen haarigen Liebling.

Zusätze und Nahrungsergänzung

Zusätze, Pülverchen und Tabletten – Wundermittelchen mit und ohne Glitzer.

Nachdem ich jetzt ein wenig von Mineralien und Ölen erzählt habe, komme ich zu den „lustigen“ Seiten eines Hundefutters.

Nehmen wir mal an, wir haben ein ausgewogenes Hundefutter gekauft. Es scheint als würde nichts fehlen. Die Mineralien sind in einem guten Verhältnis, Gemüse und Obst gehen mit Kräutern Hand in Hand und es ist auch hochwertiges Öl beigefügt. Brauche ich dann noch Zusätze wie Grünlippmuschelmehl, Knoblauchtabletten, „Goldpuderglitzerpaste“ und Vitamincreme? (Ich verdeutliche hier nur die aberwitzige Vielfalt an Produkten und deren so umfangreichen Funktionen.)

Wenn dein Hund gesund ist, keine Probleme oder besonderen Bedürfnisse hat, braucht es das alles nicht. Ja ich weiß, viele werden nun den Kopf schütteln und mit den Augen rollen. Ich sage auch nicht, dass du nun alles weglassen sollst (wenn du barfst) oder du deinem Hund kein Aufbaupulver mehr geben darfst (Wenn du das Gefühl hast, dass er es braucht.)

Ich überspitze vielmehr, da es oft Einfachheit ist, die glänzt. Vergiss nicht, Hunde wurden auch über Jahrzehnten gut ernährt und kam super zurecht; und das ganz ohne: „Superfood Kurkumapaste mit tibetanischem Ingwer.“

Natürlich ist es sinnvoll dem Hund Knochenmehl zu füttern, wenn dieser keine Knochen mag, aber braucht. Oder ist es auch gut dem Welpen mal sogenannten „Welpenkalk“ unterzujubeln, wenn dieser gerade einen ziemlichen Wachstumsschub hat. Auch ist es sinnvoll mit Lachsöl und Biotin nachzuhelfen, wenn der Hund den Fellwechsel nicht unbeschadet überstanden hat und aussieht wie ein gerupftes Huhn (hatte ich vor kurzem erst mit Baldur). Im Grunde sehe ich das Überangebot an Zusätzen für Hundefutter nur deswegen kritisch, weil es so unzählig viele Produkte gibt, die sicherlich eine Vielzahl an Verbrauchern nicht versteht und sie deswegen nur schwer richtig anwenden kann. Auch ist für mich die schier nie endende Inhaltsstoffliste auf Hundefutter nicht beruhigend, sondern eher frustrierend und „Over the top“.

Yucca Schidigera und Traubenkernmehl

Hat aber dein Schnuffel ein Leiden oder befindet sich gerade in einer Phase, in der es besondere Pflege nötig macht, dann braucht es Unterstützung mittels Zusätzen.

Ein Hund, der eine Pankreasinsuffizenz hat, braucht seine Enzyme, eine trächtige Hündin ist dankbar für jedes Extra, das sie nicht aus ihrem Körper via Raubbau ziehen muss und ein Hund, der aktiv im Sport ist, läuft mit der richtigen Unterstützung auch glücklicher durch den Parcour. (Ich meine hier aber auch wirklich aktive Hunde! Also nicht den „Er ist so aktiv“ – Hund der mit seiner Mama eine Stunde über die Wiese läuft und dabei vielleicht 10-mal seinen Ball jagt.)


Was ich zum Beispiel für unerfahrene Barfer oder auch die fortgeschrittenen sinnvoll finde, sind Barf-Kombi-Produkte die den Tagesbedarf eines Hundes gut decken und bei der richtigen Versorgung helfen. Wobei ich dazu sagen muss, dass man dann darauf achten sollte nicht zu viele Knochen/Knorpel zu füttern. Viele dieser Präparate beinhalten schon Fleischknochenmehl.

Biotin, Fleischknochenmehl, Blutpulver, Pansenmehl etc. sind alles natürliche Zusätze, die in getrockneter Form, viele Situationen erleichtern können. (Qualität vor Quantität – Überfütterung und unnötige Zugabe vermeiden.) Natürlich kann man das Biotin auch mittels Eigelb füttern, oder das Blut auch frisch geben, ich finde es jedoch schlichtweg praktisch das ganze auch im Schrank zu haben, wenn es mal schneller gehen muss. Oder ich relativ viel von einer Komponente zufüttern möchte.

Was oft übersehen wird ist, dass viele Produkte mehrfach die gleichen Zutaten beinhalten, weswegen es nicht unbedingt zwei Produkte braucht die einfach nur unterschiedliche Namen haben, aber die gleichen Inhaltsstoffe.

Grünlippmuscheln und Hefe

Möchtest du noch mehr Informationen zu „Zusätze im und für Hundefutter“ wie in den beiden Bildern weiter oben, kann ich gerne noch weitere Kurzinfos geben.

Ich hoffe ich konnte ein wenig zur Aufklärung beitragen, Anhaltspunkte geben oder dir einfach nur eine schöne Zeit beim Lesen bescheren.

the small pack




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