Kastration – muss das immer blutig sein?

Hallo!

Im Tiermedizinstudium wird man nur so überhäuft mit Informationen. Wir lernen jede Menge über Anatomie, Biochemie, Physiologie, Parasiten, Bakterien, Viren, Krankheiten und vieles mehr. Das sind alles wichtige Dinge, die uns zu guten, kompetenten Tierärzten machen sollen. Das ist jedem klar oder?

Was vielen nicht klar ist, ist dass unser Studium so viel weiter reicht. Ein Tierarzt kann nicht nur Hunde, Katzen, Kühe und Papageien behandeln, sondern kann in die Forschung gehen und sich mit Seuchen befassen oder in Lebensmittelbetrieben arbeiten und die Sicherheit unserer Nahrungsmittel gewährleisten oder in einem Veterinäramt arbeiten und sich mit schwierigen, zum Teil herzzerreißenden, Tierschutzfällen auseinandersetzen.

Um all diese Aufgaben meistern zu können, werden wir also nicht nur mit dem offensichtlichen Stoff überrannt sondern auch mit sehr vielen Paragraphen, Gesetzestexten und Interessenkonflikten.

Ich hätte es mir vor meinem Studium nicht träumen lassen, dass die Begründung :”Ich möchte nicht, dass mein Hund sich fortpflanzt.” als Kastrationsgrund keinesfalls genügt, besser gesagt die Kastration dann illegal ist. Ein Tierarzt der einen Hund, der keine medizinischen Symptome zeigt, durch einen chirurgischen Eingriff unfruchtbar macht, verstößt gegen das Tierschutzgesetz.

Laut Tierschutzgesetz ist eine Amputation, also das Entfernen eines Organes eines Tieres, verboten, da dies zu Schmerzen, Leiden oder Schaden des Tieres führt.

Aber wozu führt das? Die Tierheime in Deutschland sind häufig überfüllt und eine Trächtigkeit ist bei den meisten Privatpersonen unerwünscht. Die Lösung ist demzufolge eine Unfruchtbarmachung. Da die Kastration eines Rüden eine deutlich kleinere Operation darstellt als die einer Hündin ergibt es Sinn vorrangig die männlichen Tiere zu kastrieren. Um sich hierbei nicht strafbar zu machen gibt es ein paar Möglichkeiten.

1. Eine medizinische Indikation finden: Markieren, Bespringen, Ungehorsam sobald Hündinnen läufig werden, Aggression gegenüber anderen Rüden die zweifelsfrei mit dem Sexualtrieb zusammenhängen

2. Anstatt einer chirurgischen Kastration eine chemische Kastration in Erwägung ziehen!

Die chemische Kastration wirkt durch einen Hormon-Chip, der ähnlich dem Mikrochip, unter die Haut implantiert wird. Der in Deutschland gängige Chip enthält den Wirkstoff Deslorelinacetat, was ein GnRH-Agonist ist.

GnRH bedeutet Gonadotropin-Releasing-Hormon. Dieses wird natürlicherweise vom Hypothalamus (im Gehirn) gebildet und stimuliert die Ausschüttung von Geschlechtshormonen in den Körper. Warum gibt man also etwas, was die Fortpflanzung fördern könnte?

Das Deslorelinacetat gaukelt dem Gehirn vor, dass genug Geschlechtshormone vorhanden sind und verhindert somit die körpereigene Produktion von GnRH. Das Gehirn bildet ohne die Bindung von GnRH keine Geschlechtshormone, wodurch die Spermaproduktion im Hoden eingestellt wird.

Hört sich super an, finde ich! Keine Operation, das bedeutet kein Narkoserisiko, keine Zwischenfälle, keine Wundheilungsstörungen und so weiter. Trotzdem ist der Hormon Chip in Deutschland relativ unbekannt und eher wenig verbreitet.

Meine Kommilitonin und ich haben uns dieses interessante Thema ausgewählt, um eine Projektarbeit darüber zu schreiben. Hierfür haben wir eine Online Umfrage erstellt. Wir wollen damit herausfinden wie bekannt der Chip für Rüden wirklich ist und warum sich Hundebesitzer für oder gegen diese Methode der Kastration entscheiden.

Wir würden uns sehr darüber  freuen, wenn du einen Rüden hast, dir darüber schon einmal Gedanken gemacht hast und uns unterstützen möchtest.

Hier ist der Link zur Umfrage: https://www.umfrageonline.com/s/d76e8ad

Vielen Dank und liebe Grüße

Franzi




Hunde Plattform miDoggy



2 Comments
  1. Genki & Co 10 Monaten ago

    Ich finde es etwas verwunderlich, dass hier wieder steht, dass “Ich möchte nicht, dass mein Hund sich fortpflanzt.” als Kastrationsgrund nicht genüge und illegal sei. Das liest man zwar immer wieder, aber meine Annahme war bisher, dass das irgendjemand Mal behauptet hat und das ganze dann immer weiter verbreitet wird, ohne dass sich jemand den tatsächlichen Gesetzestext dazu angesehen hat, weil dort ja eigentlich doch etwas anderes steht.
    § 6 Abs. 1 S. 1 des TierSchG sieht doch mehrere Ausnahmeregelungen vor, wann eine Kastration legal ist und in § 6 Abs. 1 S. 2 Nr. 5 Alt.1 steht: “zur Verhinderung unkontrollierter Fortpflanzung”. Das lässt doch eigentlich sehr viel Interpretationsspielraum zu.
    An der Umfrage habe ich teilgenommen, einer meiner Hunde hatte auch 2 Mal einen Kastrationschip.

  2. Author
    Anoki 10 Monaten ago

    Hallo,
    erstmal vielen Dank für die Teilnahme an der Umfrage.
    Soweit ich das verstehe ist es immer eine Auslegungssache. Wie definiert sich unkontrollierte Fortpflanzung? Manche Städte nutzen die Kastration um die wachsende Population an Stadtkatzen zu dämmen, somit wird die unkontrollierte Fortpflanzung verhindert. Ich bin mir aber nicht sicher wie gut sich das zum Beispiel auf einen einzeln gehaltenen Rüden übertragen lässt. Dieser könnte ja auch auf andere Weise davon abgehalten werden sich zu paaren. Ist da ein chirurgischer Eingriff wirklich nötig?
    In einer Tierklinik in der ich Praktikum gemacht habe, wird immer konkret nach einem Grund für die Kastration gefragt. Solange die Frage nicht beantwortet ist, findet keine Kastration statt. Auch in unseren Vorlesungen ist das ein Thema und wird uns größtenteils so beigebracht, dass eine Kastration eine Amputation ist und damit dem Verbot in §6 unterliegt.
    Ich hoffe ich konnte verständlich machen, wo meine Wortwahl herkommt. Ich gebe aber zu, dass ich mich da ein wenig zu harsch ausgedrückt habe, denn so einfach ist es natürlich wirklich nicht.
    LG Franzi

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