Gemüse, Obst und Kräuter in Hundefutter – Wieviel, wie oft und warum?

Was ist eigentlich das richtige Hundefutter? Ist es nass, halbtrocken, trocken oder doch frisch? Ist es mit Getreide oder doch ohne? Welches ist das Beste und was sollte drin sein? Barfen oder nicht? So viele Fragen dazu und noch mehr Antworten. Auf den Webseiten von Hundefutterherstellern wird mit Premium, High Premium und bester Qualität geworben. Aber ist das wirklich so? Ich lasse dich das selbst entscheiden.

Wie schon in „Was sollte drin sein? Wie sollte es aussehen?“ angekündigt, erkläre ich nicht wie du barfen solltest oder welches Futter meiner Meinung das Beste ist. Ich erkläre grob was in einer Hundemahlzeit sein sollte.

Nun gut, heute geht es um Gemüse. Nicht um Gemüseflocken, nicht um Gemüsepesto in einer hübschen Dose mit einem glücklich aussehenden Goldie drauf und auch nicht um Gemüsepulver auf dessen Packung einen seriös wirkenden Hersteller „das Beste für Ihr Tier“ bewirbt. Sondern wirklich um frisches Gemüse das gut duftet, Obst das ein paar Macken hat und Beeren, die gerne auch verrunzelt aussehen dürfen.

 

Hier ein kleiner Crashkurs vorneweg:

 

Nachdem du nun weißt, dass ein Hund ein Minimum von 10% pflanzlicher Nahrung braucht, fragst du dich sicher: „Wieso denn das? Hunde sind doch Fleischfresser!

Ganz ruhig mit dem Halbwissen, das man gerne ansammelt und auch ohne zu zögern nach außen widergibt. Jeder diskutiert gerne auf der Hundewiese über das neueste im Hundeklatsch und –tratsch. Aber immer, wenn ich in eine solche selbst ernannte Expertenrunde reinstolpere, fange ich schnell an mit den Augen zu rollen oder mit meinen Jungs zu reden, als wären die andern gar nicht da. Hunde sind sogenannte „Carni-Omnivore“ das heißt sie fressen vornehmlich Fleisch, aber auch (ja genau) Gemüse, Obst, Gräser etc. und genau deswegen ist es so wichtig. Ich fange ja nicht ohne Grund mit dem Grünzeug an, wenn ich über Hundefutter schreibe. Die Definition der Ernährung eines Hundes und auch dessen Vorfahren, dem Wolf, macht es im Grunde noch viel leichter zu verstehen was ein Hund braucht, um ausgewogen ernährt zu werden. So liegt natürlich der Fokus auf dem Fleisch, also dem tierischen Anteil, aber ein wichtiger Bestandteil ist nun mal auch Pflanzliches.

Ich kann keine Wunderformel aussprechen und sagen: „Genauso musst du das machen und bitte nicht anders.“, aber ich bevorzuge die Variante, die jeden Tag verschiedene pflanzliche Komponenten anbietet. Wenn du ein fertiges Hundefutter fütterst, brauchst du dir um die Abwechslung keine Gedanken machen.

 

Ein ausgewogenes Hundefutter glänzt mit Einfachheit.

 

Ein Hundefutter, ob nass oder trocken, gilt dann als Vollnahrung, wenn es alles beinhaltet, was ein Hund braucht, um keine Mangelerscheinungen zu zeigen. Worüber sich auch streiten lässt, immerhin gibt es so viele Futterhersteller die ihre minderwertigen Zutaten mit Supplementen hochpäppeln, damit es irgendwie als Vollnahrung durchgehen kann; was ja dann auch den Tagesbedarf deckt. *Ironie*

Deswegen ist es wichtig, unheimlich wichtig, sich die Zutatenliste genau anzusehen. Fehlen da Komponenten wie Kräuter oder auch Obst und Gemüse werde ich skeptisch. Das Argument, dass Mais und Getreide drin ist zieht hier nicht, da dieser Mais und dieses Getreide (in den meisten Fällen) als günstige füllende Komponenten verwendet werden. In den Zeiten von Glutenallergie und der Ablehnung von Getreide in Hundefutter ist diese Aussage natürlich ziemlich sympathisch für dich, oder? Ganz verteufeln kann ich es aber nicht. Wenn beispielsweise ein Schaf an Getreideähren geknabbert hat, das Korn dann teilweise verdaut im Magen trägt und dann von einem Wolf gerissen wird, frisst der Wolf natürlich auch das Getreide mit, das sich im Magen des Schafs befindet. Du siehst also, Getreide kann auch auf dem Speiseplan eines Wolfs stehen (also auch beim Hund). Aber mit diesem Beispiel komme ich auch zu den maximalen 10%, die ich oben in der Infografik aufgelistet habe. Das Getreide muss vorher aufgeschlossen sein und darf nicht roh sein. Aufgeschlossen meint gemahlen, gequollen etc. und eben auch nicht roh. Hunde können von rohem Korn starke Magenbeschwerden bekommen.

 

Wenn wir schon über roh und garen/kochen reden.

Durch Erhitzen, also Garnen oder Kochen, von pflanzlichen Anteilen des Futters werden die Zellwände des Gemüses aufgeschlossen und macht es damit dem Hund einfacher es zu verdauen und zu verwerten. Der Teil, der nicht verdaut werden kann, erfüllt zum Ende trotzdem einen Zweck. Die unverdaute Zellulose wandert bis zum Dickdarm und dient dort als super „Nahrung“ für die Darmbakterien. Die Bakterien im Dickdarm erzeugen aus dem „Rest“ kurzkettige Fettsäuren, die für eine gesunde Darmflora wichtig sind und auch noch einen kleinen Teil Energie liefern. Ich finde, man merkt bei der Betrachtung eines kleinen Ausschnittes des Verdauungsprozesses des Hundes wie effektiv dieser sein Essen verwertet.

Der Vierbeiner neben dir verträgt mehr Gemüse und Obst als du vermutlich bisher angenommen hast und mit der richtigen „Verpackung“ frisst er es sicherlich auch gerne. Also meine Jungs fressen ihr Grünzeug immer mit. Obwohl die Malinois dem ganzen noch ein Krönchen aufsetzen und sehr gerne auch einfach mal ein Stück rohen Hokkaido (schmackhafter Kürbis mit greller orangener Farbe, den man auch super als Rohkost nehmen kann) in der Küche abstauben wenn ich gerade welchen schneide. (Kleiner Tipp am Rande: Kürbiskerne trocknen und in ein Glas füllen. Die Kerne mit dem Mörser mahlen und zum Futter dazu oder den Hund einfach mal die ganzen Kerne probieren lassen. Das knuspert super 😀 ) Ari wiederum mag lieber Karotte. Wurzelgemüse ist bei den dreien sowieso hoch im Kurs und ich kann da immer etwas von anbieten. Du kennst das sicher auch, gekochte Kartoffeln, Süßkartoffel oder Pastinake geht eigentlich immer. Du merkst schon Wurzelgemüse ist einer meiner besten Freunde wenn es um Hundefutter geht und ich selbst finde es auch super lecker. 🙂 Gekochte Pastinake, mit geraspelten Karotten, gekochter Kürbis dazu und ein bisschen rote Beete – klingt doch klasse oder? Ja, das klingt auch für deinen Hund gut, solange du es nicht würzt und ihm frisch hinstellst. So ist das auch mit fertigem Hundefutter. Ist von den Bestandteilen noch was übrig und es ist kein zu Tode verarbeiteter Brei aus Resten, dann freut sich der Hund auch darüber. Obwohl es dem Hund im Grunde egal ist, wie breiig die Pampe ist. XD

Das trifft auch auf das Obst zu. Da unsere Hunde „Carni-Omnivore“ und dazu noch Evolutionsfolger sind, gehören auch Beeren und Obst auf ihren Speiseplan. Zudem können Hunde süß schmecken und freuen sich auch darüber (nur jetzt nicht dem Hund einen Zuckerwürfel hinlegen!). Katzen können übrigens kein süß schmecken. “Arme Mietz, keine süßen Blaubeeren für dich. :(“ Das Obst sollte im besten Fall überreif und zerkleinert sein. Im Maul eines Hundes findet kein Vor-Verdauungsprozess statt, der Speichel dient lediglich zum Runterschlucken und bereitet den Magen auf die Nahrung vor. Wenn dein Schnuffel anfängt zu speicheln und sein Futter frisst, beginnt erst dann der Magen zu arbeiten und ist quasi bereit für das, was da noch kommt. Obst also immer klein schneiden, zerdrücken oder pürieren.

Kräuter und Gräser werden ähnlich wie Obst und Gemüse behandelt. Sie sollten nicht einfach so gegeben werden und können gern schonend gegart werden. (Bitte nicht kochen, die armen Nährstoffe!) Hundefutter, das mit der Zugabe von Gräsern und Kräutern hergestellt wird, hat diese auch nicht unverarbeitet drin und das ist auch richtig so. Die Ballaststoffe sind einerseits gut für die Verdauung und eine gesunde Darmflora und andererseits beinhalten die Kräuter viele wichtige Mineralien und auch Öle, die beim starken Erhitzen verloren gehen würden. Viele Kräuter und Gräser kann man auch selbst anpflanzen. Einerseits hast du so immer frische Kräuter zum Kochen oder für einen tollen Salat, andererseits kann dein Hund sich glücklich schätzen seine Kräuterdingse frisch zu bekommen.

Sofern du dir bei deinem Hundefutter nicht sicher bist in welchen Anteilen was genau drin ist: Jeder Hersteller hat Kundenhotlines, die genau dafür da sind. Die Damen und Herren geben sich meistens große Mühe deine Fragen zu beantworten. Sollte das zu keinem Ergebnis führen, suche Webseiten und Testberichte ab oder wechsle im Zweifelsfall das Futter, wenn es dir möglich ist. Hundefutter sollte transparent sein und die Hersteller sollten ihren Kunden bei Fragen helfen und die Zutaten richtig angeben. Zumindest finde ich, dass es so sein sollte. Also ich möchte kein Müsli kaufen, wo auf der Zutatenliste gerade mal 60% der Inhaltsstoffe aufgeführt sind und ich raten darf, ob die kleinen braunen Knubbel Rosinen oder *uärgs* sind.

 

Apropos Zutatenliste

Wenn du dich nun fragst wann ich endlich mit einer Empfehlung zu einem Hundefutter rausrücke oder wann ein hübsches Bild kommt auf dem eine tolle Barfmahlzeit abgebildet ist (am besten mit Rezept), dann muss ich dich leider enttäuschen. Ich berichte ab und an vielleicht von meiner Erfahrung mit einem bestimmten Futter oder gebe gerne Tipps zum Barfen, aber eine genaue Anleitung werde ich jetzt nicht geben. Ein mögliches Barfrezept von mir würde in etwa so aussehen: Ca. 80% Fleisch, Innereien, Knorpel und Knochen (Blut nicht vergessen), 20% Gemüse, Obst und Beeren, Öle und ggf. Mineralien nicht auslassen – fertig. Ich muss also hier enttäuschen, vielleicht werde ich irgendwann mal eine kleine Anleitung verfassen aber momentan bin ich so ganz glücklich. Bisher habe ich noch nicht das Bedürfnis mich in das Fettnäpfchen zu setzten, dass jemand behaupten kann: „Aber die von „the small pack“ hat gesagt das muss so!“, wenn du verstehst wie ich das meine. 😉

Was ich aber deutlich empfehle: Lies dir Listen durch, die aufführen was Hunde essen dürfen und was nicht. Zum Beispiel: Avocado, rohes Schwein oder gekochte Knochen! Niemals! Avocado ist giftig für Hunde. Schwein kann, wenn es vom Hund gefressen wird, die Aujeszkysche Krankheit übertragen (wir Menschen können sie nicht bekommen) und diese endet beim Hund immer tödlich. Deswegen füttere ich grundsätzlich kein Schwein, auch wenn ich weiß, dass es keine Gefahr gibt, wenn der Hund ein getrocknetes und gekochtes Schweineohr frisst; mir ist es lieber einfach komplett auf Schwein zu verzichten. Und gekochte Knochen kennt man glaube ich mittlerweile. Sie splittern und können so sehr gefährlich für deinen kleinen Liebling werden; also Knochen bitte nicht kochen und dann verfüttern. Aber zu diesem Thema gibt es bald einen eigenen Beitrag.


Nachdem ich nun ganz grob erklärt habe, was es mit dem Grünzeug auf sich hat und wieso es in Hundefutter sein sollte, bin ich mir sicher, dass du deine Barfmahlzeit (ob selbst zubereitet oder fertig gekauft) oder das Futter deines Lieblings ganz anders ansehen wirst. Es sei denn du bist schon mit diesem Thema vertraut gewesen und hast den Artikel einfach bei einem Kaffee durchgestöbert; dann freue ich mich auf Anmerkungen und Ideen deinerseits. 🙂

 

 

the small pack




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