Mit der Erziehung und dem Training ist das so eine Sache. Es kommen häufig Leute zu mir und fragen mich: „Wie mache ich es richtig?“, „Was kann ich falsch machen?“, „Warum macht das der Hund einer Freundin viel besser und schneller?“ Meine häufigste Antwort ist darauf: „ Hol mal deinen Hund und zeig mir wie ihr immer übt.“

Dich kann ich jetzt nicht fragen, ob du mir das zeigen kannst. Aber ich kann dir hilfreiche Tipps mit auf euren Weg geben, damit das in Zukunft gut klappen kann.

1 .Bleib ruhig

Das klingt erst einmal so banal, ist aber umso wichtiger. Deswegen ist es mein erster Appell an dich. Wenn du im Training mit deinem Hund eine ruhige Haltung hast (also mental) so wird dein Hund selbst nicht aufgeregt und spinnerig. Wenn ich mit Baldur eine Übung mache, atme ich immer vorher kurz tief aus und stelle mich aufrecht hin (blick nicht ganze Zeit auf den Hund). Wenn du als „Führer“ dieser Übung einen souveränen Stand hast, hast du schon die halbe Miete bezahlt. 😀


2. Frage dich, warum dein Hund das nun machen soll?

Du möchtest zum Beispiel von deinem Hund (ob Welpe oder Senior ist hier erst einmal egal) das er sich ablegt und nicht wieder aufsteht wenn du ein paar Schritte weg gehst, also „Platz“ macht. Wieso sollte dein Hund das einfach so tun? Er lernt doch die ganze Zeit das es bei dir viel spannender ist, das es doof ist nur rumzuliegen und eben nicht aufstehen zu dürfen, auch unter Ablenkung.

Dein Ziel ist es einen positiven Verstärker, also eine Belohnung für die es sich wirklich lohnt, zu finden für die dein Hund Kommandos gerne macht. Ich nehme gerne das tollste Spielzeug das es für meine Buben auf der Welt gibt (für Baldur ist es ein Leuchteball oder eine Beißwurst) oder für kleinere Dinge auch einfach nur ein Stück getrocknetes Hühnerfleisch. Es sollte sich also schon mal lohnen den „Jackpot“ zu bekommen.


3. Mach es Verständlich

Ich sehe so oft Leute die ihren Hund wie ein Mantra: „Mach Sitz. Maaach Siiiiiiiiitz. Sitz! Sitzen, mein Schatz. Bitte, mach Siiiitz.“, vorbeten. Nun in den meisten Fällen sehe ich ratlose Blicke seitens des Hundes und kleine Schweißperlen auf der Stirn des Hundepapas. 😀

Wenn dein Hund ein neues Verhalten lernen soll, braucht er sehr viele erfolgreiche Wiederholungen davon, um es auch wirklich und sicher gelernt zu haben. Um ein neues Kommando zu lernen muss der Hund erst einmal verstehen, was du von ihm möchtest. Der Moment, wenn der Hund sich „aus Versehen“ hinsetzt ist der Moment wo du super mega riesig loben kannst und deinen Hund gehörig verwirren, 😉 aber damit kannst du aufbauen. Oder du hältst ihm ein kleines Leckerli vor die Nase (halte es gut in der Hand fest) und wenn er daran schnüffelt, schiebst du deine Hand langsam nach oben und in seine Richtung – irgendwann wird der Popo einfach aufsetzten und „Tadaa!“ der kleine Schatz sitzt!


4. Fang auch mal von vorne an

Wenn du merkst dein Hund macht nur jedes 5. Mal den „Befehl“ richtig und zögert nicht, hat er die neue Übung nicht komplett verstanden/erlernt. Anstatt an dem Punkt unbeirrt weiter zu machen, kann es eine große Hilfe sein die Übung noch einmal von 0 aufzuziehen. Beginne noch mal von vorn und nimm dir Zeit, der Fortschritt wird sich schnell einstellen.


5. Filme eure Übung

Spiel bei deinen eigenen Übungen mal Mäuschen und sieh es dir als Außenstehender an. Stelle dir beim Ansehen der Videos folgende Fragen:

  • Bin ich ruhig und stehe aufrecht? (sofern es die Hundehöhe auch zulässt :D)
  • Wie klingt meine Stimme?
  • Ist mein Hund aufmerksam und bestätige ich ihn rechtzeitig?
  • Lobe ich richtig?
  • Was kann ich besser machen?

Mir hilft es immer ungemein meine Übungen selbst zu betrachten und das Training zu reflektieren. Ich sehe meine eigenen Fehler besser und kann diese Stück für Stück verbessern. Auch sehe ich die Reaktion meines Hundes deutlicher, als wenn ich neben ihm stehe und mitten in der Situation bin.

Hier ein kleiner Einblick wie ich mit unserem Jüngsten, Phelan, im Juni mit ihm „Fuß“ und „Hier“ geübt habe. Der kleine Mann war zum Zeitpunkt der Aufnahme 9 Wochen alt. (In diesem kurzen Video war es mir vor allem wichtig ihn unter Ablenkung abzurufen und das „Fuß“ trotz ablenkendem Frisbee zu üben.)